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1. Allgemeines

Wer in Österreich den Beruf der Psychotherapeutin/des Psychotherapeuten ausüben will, hat sich vor Aufnahme dieser Tätigkeit in die Psychotherapeutenliste eintragen zu lassen. Erst mit der Eintragung in die Psychotherapeutenliste wird die selbständige Berufsberechtigung in Psychotherapie erlangt.

Voraussetzung für eine Eintragung ist eine absolvierte Ausbildung gemäß Psychotherapiegesetz, BGBl. Nr. 361/1990. Diese Ausbildung besteht aus einem allgemeinen Teil (psychotherapeutisches Propädeutikum) und einem besonderen Teil (psychotherapeutisches Fachspezifikum) und umfasst theoretische und praktische Inhalte im Gesamtausmaß von zumindest 3215 Stunden.

Nähere Informationen zu diesem und anderen Gesundheitsberufen in Österreich finden Sie in der Broschüre „Gesundheitsberufe in Österreich“ auf der Website des Bundesministeriums für Gesundheit.

Personen, die über einen von der zuständigen Behörde des Herkunftsstaates ausgestellten Qualifikationsnachweis für den reglementieren Beruf der Psychotherapeutin/des Psychotherapeuten verfügen, können sich in die Psychotherapeutenliste eintragen lassen. Zuvor ist die Gleichwertigkeit ihrer fachlichen Qualifikation zu prüfen.

Der Antrag auf Prüfung der Gleichwertigkeit ist beim Bundesministerium für Gesundheit einzubringen.

2. Voraussetzung für ein Verwaltungsverfahren nach dem EWR-Psychotherapiegesetz

Zum Nachweis der erworbenen reglementierten Berufsberechtigung ist dem Bundesministerium für Gesundheit ein Qualifikationsnachweis gemäß den §§ 1 bis 3 EWR-Psychotherapiegesetz, BGBl. I Nr. 114/1999, vorzulegen.

Es handelt sich dabei um Nachweise, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit den Befähigungsnachweis für den Zugang zum reglementierten Beruf der „Psychotherapeutin“ oder des „Psychotherapeuten“ im jeweiligen Herkunftsstaat darstellen.

Als Beispiel für einen solchen Qualifikationsnachweis wäre etwa der Befähigungsnachweis der in Deutschland erteilten Approbation als „psychologische Psychotherapeutin“ (“psychologischer Psychotherapeut“), nicht aber allfällige Bewilligungen nach dem deutschen Heilpraktikergesetz im Bereich Psychotherapie oder Weiterbildungen in Psychotherapie für Ärzte, zu nennen.

Qualifikationsnachweise gemäß EWR-Psychotherapiegesetz sind:

a. Qualifikationsnachweise aus dem EU/EWR:

Das sind Diplome, Prüfungszeugnisse oder Befähigungsnachweise,
  1. die in einem Mitgliedstaat der EU oder einer sonstigen Vertragspartei des EWR-Abkommens oder der CH von einer nach den Rechts- und Verwaltungsvorschriften bestimmten zuständigen Behörde ausgestellt wurden, und
     
  2. aus denen hervorgeht, dass die Antragstellerin/der Antragsteller

    - eine mindestens dreijährige postsekundäre Ausbildung an einer Universität oder einer anderen Hochschule oder einer anderen Ausbildungseinrichtung mit gleichwertigem Niveau bescheinigen und

    - gegebenenfalls die über das Studium hinaus erforderliche berufliche Ausbildung abgeschlossen hat, und
     
  3. aus denen hervorgeht, dass die Antragstellerin/der Antragsteller über die inhaltlichen beruflichen Voraussetzungen für den Zugang zum oder die Ausübung des reglementierten Berufs der Psychotherapeutin/des Psychotherapeuten im Herkunftsstaat verfügt.
b. Gleichgestellte Qualifikationsnachweise aus einem Drittland:

Das sind Ausbildungsnachweise für den Beruf der Psychotherapeutin/des Psychotherapeuten, die außerhalb eines Mitgliedstaates der EU oder einer sonstigen Vertragspartei des EWR-Abkommens oder der Schweizerischen Eidgenossenschaft (CH) ausgestellt worden sind.

Diese gelten als einem Qualifikationsnachweis aus dem EWR gleichgestellt, sofern
  1. die Antragstellerin/der Antragsteller in einem Mitgliedstaat der EU oder einer sonstigen Vertragspartei des EWR-Abkommens oder der CH zur Ausübung des reglementieren Berufs der Psychotherapeutin/des Psychotherapeuten berechtigt worden ist und
     
  2. eine Bescheinigung dieses Staates vorliegt, dass die Antragstellerin/der Antragsteller drei Jahre den reglementieren Beruf der Psychotherapeuten/des Psychotherapeuten im Hoheitsgebiet dieses Staates rechtmäßig ausgeübt hat.
Ist der Beruf der Psychotherapeutin/des Psychotherapeuten in einem Mitgliedstaat der EU oder einer sonstigen Vertragspartei des EWR-Abkommens oder der CH nicht reglementiert,  ist ein EU/EWR-Verfahren dennoch möglich, sofern die von den zuständigen Behörden ausgestellten Befähigungs-oder Ausbildungsnachweise für die Ausübung dieses Berufes
  1. eine mindestens dreijährige postsekundäre Ausbildung an einer Universität oder einer anderen Hochschule oder einer anderen Ausbildungseinrichtung mit gleichwertigem Niveau bescheinigen und
     
  2. der Beruf der Psychotherapeutin/des Psychotherapeuten vollzeitlich zwei Jahre in den vorhergehenden zehn Jahren in diesem Staat rechtmäßig ausgeübt worden ist.
Sofern die Befähigungs- oder Ausbildungsnachweise eine reglementiere Ausbildung bestätigen, entfällt das Erfordernis der zweijährigen vollzeitlichen Berufserfahrung.

3. Ablauf des Verwaltungsverfahrens gemäß EWR-Psychotherapiegesetz

a. Feststellung der Gleichwertigkeit

Sofern das Antragsformular und die erforderlichen Unterlagen, insbesondere der Qualifikationsnachweis vorliegen, hat das Bundesministerium für Gesundheit die Gleichwertigkeit der fachlichen Qualifikation zu prüfen.

Das Bundesministerium für Gesundheit stellt dabei fest, ob die im Herkunftsstaat erworbene Qualifikation (Ausbildung und allfällige berufliche Tätigkeit) der Psychotherapeutin/des Psychotherapeuten der in Österreich gesetzlich vorgesehenen Qualifikation gemäß dem österreichischen Psychotherapiegesetz, BGBl. Nr. 361/1990, entspricht.

Für die Feststellung der Gleichwertigkeit ist ein Sachverständigengutachten erforderlich.

Das Verfahren wird mit einem Bescheid des Bundesministeriums für Gesundheit abgeschlossen.

Sind im Verfahren wesentliche Unterschiede der Qualifikation festgestellt worden, werden Ausgleichsmaßnahmen vorgeschrieben (Eignungsprüfung oder Anpassungslehrgang).

b. Eintragung in die Psychotherapeutenliste

Sofern im Bescheid die Gleichwertigkeit der fachlichen Qualifikation festgestellt worden ist, kann in weiterer Folge ein Antrag zur Eintragung in die Psychotherapeutenliste gestellt werden.

Sofern jedoch wesentliche Unterschiede festgestellt und eine Ausgleichsmaßnahme vorgeschrieben worden ist, ist erst nach erfolgreicher Absolvierung der gewählten Ausgleichsmaßnahme die Gleichwertigkeit hergestellt und in der Folge ein Antrag zur Eintragung in die Psychotherapeutenliste möglich.

Das Verfahren ist kostenpflichtig.

Die entsprechenden Formblätter finden Sie auf der Homepage des Bundesministeriums für Gesundheit unter Schwerpunkte -> Berufe -> Anerkennung -> Anerkennung ausländischer Ausbildungen von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten

Stand: Mai 2015

Link zum Originaltext: www.bmg.gv.at




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